Konjunktur-Umfrage von METALL NRW zum Jahreswechsel 2023/2024

Präsident Kirchhoff: „Die Zeit für einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel ist mehr als reif!“

|   Pressemitteilungen

 

Pessimistische Stimmung für 2024 in nordrhein-westfälischer Metall- und Elektroindustrie

Die Stimmung in den Unternehmen der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie ist zum Jahreswechsel 2023/24  schlecht. Sowohl die aktuelle Wirtschaftslage als auch die Erwartungen für die nächsten Monate werden mit großer Mehrheit pessimistisch eingeschätzt. Dies ist das Ergebnis einer in Düsseldorf vorgelegten aktuellen Konjunkturumfrage des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen (METALL NRW) zum Jahreswechsel 2023/2024, an der 382 Betriebe mit mehr als 115.000 Beschäftigten dieses Industriezweigs teilgenommen haben. Exorbitant hohe Energie- und Rohstoffpreise, die fehlenden Entlastungen insbesondere der energieintensiven Betriebe, hohe Steuern und Abgaben, lähmende Bürokratie, quälend lange Planungs- und Genehmigungsverfahren, die allgemeine Ungewissheit über die globale Wirtschaftsentwicklung und die rasant schwindende Wettbewerbsposition des Industriestandorts Deutschland machten den M+E-Unternehmen schwer zu schaffen. Die weit verbreitete Skepsis lasse sich inzwischen auch an der allgemeinen Beschäftigungssituation ablesen, nach der Betriebe erstmals seit vielen Jahren wieder mehr Personal abbauen als einstellen wollten.

Der Präsident von METALL NRW, Arndt G. Kirchhoff, bezeichnete die Ergebnisse der Umfrage seines Verbandes als „mehr als ernüchternd“. Sie seien nicht nur Ausdruck der größtenteils hausgemachten strukturellen Krise des Industriestandorts Deutschland. Immer sichtbarer werde, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf dem Spiel stehe. Die Zeit für einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel sei mehr als reif. „Wenn jetzt nicht Wirtschaft und Arbeit klare Vorfahrt erhalten, wird unser Wohlstand massiv gefährdet“, warnte Kirchhoff. Das Land benötige schnell nachhaltige Lösungen für die entscheidenden Fragen seiner Zukunftsfähigkeit. Außer Frage stehe, dass jetzt die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, eine bezahlbare Energieversorgung gesichert und die Voraussetzungen für die Bewältigung der klimaneutralen Transformation geschaffen werden müssten. „Hier ist die Politik gefordert“, sagte Kirchhoff.

Große Sorge bereite ihm der Einbruch der Investitionstätigkeit im bedeutendsten Industriezweig des Landes, so der NRW-Metallarbeitgeberpräsident. „Wenn 42 Prozent unserer Unternehmen ihre Investitionstätigkeit im Inland weiter drosseln wollen, dann muss das die Politik jetzt aufrütteln“, erklärte Kirchhoff. Schon zum Jahreswechsel 2022/23 sei die inländische Investitionsbilanz im Minus gewesen. Sollte sich dieser Trend verfestigen, sei dies ein trauriges Vorzeichen für die schleichende De-Industrialisierung im Land. Auch sei die Substanz vieler Betriebe durch die schwere Corona-Zeit und die lange Rezessions-Phase angegriffen. Ohnedies belaste das gestiegene Zinsniveau die Finanzierungskosten von Investitionen. Angesichts der skeptischen Ertragserwartungen bei fast der Hälfte der Betriebe habe er große Sorgen, dass viele die notwendigen Mittel für die klimaneutrale Transformation nicht werden aufbringen können. Kirchhoff wörtlich: „Ich kann nur noch einmal betonen: Die Politik muss jetzt dringend alles unterlassen, was die Industrie schwächt und alles unternehmen, was sie stärkt.“

Mit Blick auf Nordrhein-Westfalen erklärte Kirchhoff, angesichts der unverändert zu hohen und im internationalen Maßstab nicht wettbewerbsfähigen Energiepreise seien hierzulande zentrale Glieder der industriellen Wertschöpfungskette bis weit in die Metall- und Elektroindustrie hinein gefährdet. Alles hänge mit allem zusammen. Kirchhoff appellierte an die Landesregierung, sich weiterhin mit aller Kraft im Bundesrat für die Belange der NRW-Industrie einzusetzen. „Es geht jetzt um sehr viel für unser Land“, erklärte er. Überdies brauche auch Nordrhein-Westfalen wieder deutlich mehr Schwung. Hier sei die Landesregierung gefordert. Das gelte für die Verkehrspolitik, wo die jahrzehntelange Vernachlässigung der Verkehrsinfrastruktur immer deutlicher zutage trete. In der Energiepolitik müsse das Land nun schnell eine neue Energieversorgungsstrategie vorlegen. Zudem brauche Nordrhein-Westfalen endlich mehr Tempo bei den Planungs- und Genehmigungsverfahren. „Die investitionsfeindlichen Remmel-Bremsen der umweltpolitischen Alleingänge aus früheren rotgrünen Regierungszeiten müssen jetzt endlich gelöst werden“, forderte der NRW-Metallarbeitgeberpräsident.

Die Ergebnisse der METALL-NRW-Umfrage im Einzelnen:

Geschäftslage: Mit der Wirtschaftslage ist die nordrhein-westfälische M+E-Industrie sehr unzufrieden, die aktuelle Beurteilung fällt noch schlechter aus als noch vor Jahresfrist: Gerade mal 19 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre gegenwärtige Geschäftslage als „gut“ (2022/23: 40 Prozent). Derweil sind 38 Prozent mit der aktuellen Lage „unzufrieden“ (2022/23: 16 Prozent).

Geschäftserwartungen: Noch pessimistischer sehen die Betriebe die Geschäftsperspektiven für die nächsten sechs Monate. 41 Prozent erwarten rückläufige Geschäfte (2022/23: 40 Prozent), nur 9 Prozent erwarten eine Besserung (2022/23: 9 Prozent).

Auftragslage: Auch die aktuelle Auftragslage lässt zu wünschen übrig, das Vorjahresniveau wird deutlich unterschritten.

  • Die Ordertätigkeit aus dem Inland bezeichnen 16 Prozent als „gut“ (2022/23: 38 Prozent), demgegenüber 47 Prozent als „schlecht“ (2022/23: 21 Prozent).
  • Die Nachfrage aus dem Ausland bewerten 22 Prozent der Betriebe als „gut“ (2022/23: 35 Prozent), dagegen 42 Prozent als „schlecht“ (2022/23: 22 Prozent).

Auftragserwartungen: Auch der Blick nach vorn ist wenig verheißungsvoll. Die Erwartungen bei den Bestellungen haben sich im Vorjahresvergleich verschlechtert.

  • Bei den Inlandsaufträgen rechnen nur 7 Prozent mit einer  Verbesserung (2022/23: 9 Prozent). An eine Verschlechterung glauben derzeit 42 Prozent (2022/23: 38 Prozent).
  • Bei den Auslandsorders erwarten immerhin 14 Prozent in den kommenden sechs Monaten mit einer Verbesserung (2022/23: 11 Prozent). Eine Verschlechterung erwarten 29 Prozent (2022/23: 32 Prozent).

Ertragslage: Auch die Ertragslage hat sich deutlich eingetrübt. Während die Zahl der Betriebe, die ihre Erträge als „gut“ bezeichnen, auf 20 Prozent gesunken ist (2022/23: 27 Prozent), hat sich die Zahl der Unternehmen, die ihre Ertragslage als „schlecht“ bewerten, auf 35 Prozent erhöht (2022/23: 26 Prozent).

Ertragserwartungen: Der Blick auf die Erträge der nächsten sechs Monate ist in der nordrhein-westfälischen M+E-Industrie noch skeptischer. Mit einer rückläufigen Ertragsentwicklung rechnen 46 Prozent (2022/23: 45 Prozent), mit einer Verbesserung nur noch 9 Prozent (2022/23: 10 Prozent).

Investitionen: Sinkende Nachfrage und schwache Ertragslage sowie die hohen Energiepreise und das steigende Zinsniveau machen sich auch bei den Investitionsplänen der Unternehmen bemerkbar.

  • Im Inland wollen nur 18 Prozent der Betriebe ihre Investitionen ausweiten, im Vorjahr waren es noch 22 Prozent. Dagegen wollen 41 Prozent der Firmen ihre Investitionen zurückfahren (2022/23: 27 Prozent).
  • Im Ausland planen 18 Prozent mit zunehmenden Investitionen (2022/23: 13 Prozent), demgegenüber beabsichtigen 34 Prozent (2022/23: 23 Prozent), ihre Investitionen zu drosseln.

Beschäftigung: Angesichts der mit Blick auf das nächste Halbjahr größer werdenden Unsicherheit durch vielfältige Risikofaktoren werden die Unternehmen im wichtigsten Industriezweig Nordrhein-Westfalens auch bei der Beschäftigung vorsichtiger.

  • Neueinstellungen: Während in den vergangenen sechs Monaten 25 Prozent der Betriebe Neueinstellungen meldeten, planen dies für das nächste Halbjahr nur noch 15 Prozent. Vor einem Jahr lagen die Vergleichswerte noch bei 33 Prozent (2. Halbjahr 2022) und 22 Prozent (1. Halbjahr 2023).
  • Beschäftigungsabbau: In den vergangenen sechs Monaten haben 15 Prozent der Unternehmen Beschäftigung abgebaut, für die nächsten sechs Monate planen 19 Prozent mit einer rückläufigen Beschäftigung. Vor Jahresfrist waren die Vergleichswerte mit 9 Prozent (2. Halbjahr 2022) und 10 Prozent (1. Halbjahr 2023) noch spürbar besser.
  • Kurzarbeit: Auch der Anteil der Unternehmen mit Kurzarbeit wird größer und lag in den vergangenen sechs Monaten bei 22 Prozent. Für die nächsten sechs Monate ist mit einem Anstieg auf 33 Prozent zu rechnen. Vor einem Jahr meldeten 11 Prozent der Betriebe (2. Halbjahr 2022) sowie 20 Prozent (1. Halbjahr 2023) Kurzarbeit.

Ausbildung: Als stabil erweist sich erfreulicherweise die Ausbildungssituation in der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie. Nach wie vor wollen fast drei Viertel der Betriebe (72 Prozent) ihr hohes Engagement unverändert beibehalten (2022/23: 69 Prozent). Allerdings: Gegenwärtig planen nur 14 Prozent der Betriebe eine Ausweitung ihres Ausbildungsplatzangebots (2022/23: 20 Prozent). 14 Prozent wollen weniger Ausbildungsplätze anbieten (2022/23: 11 Prozent).

Zurück