Die M+E-Zeitung ist das Sprachrohr der Arbeitgeber der Metall- und Elektro-Industrie. In der aktuellen NRW-Ausgabe liegt der Fokus auf dem Wirtschaftsstandort - u.a. blickt der Präsident von METALL NRW, Arndt G. Kirchhoff, im Interview auf die aktuelle Lage.
Hier geht's zur aktuellen Sonderausgabe der M+E-Zeitung 01/2026.
Und hier zum Interview mit METALL NRW-Präsident Arndt G. Kirchhoff:
„Die Kosten müssen runter“
Herr Kirchhoff, alle reden nur noch von Krisen. Wie geht es den Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie wirklich?
Fakt ist: Die deutsche Wirtschaft ist seit sieben Jahren real nicht mehr gewachsen. Und wenn wir auf unsere M+E-Industrie blicken: Allein in Nordrhein-Westfalen sind im Vergleich zum Vorkrisenniveau 2018 rund 75.000 M+E-Arbeitsplätze verloren gegangen, bundesweit sind es 300.000 Jobs. Gegenwärtig verlieren wir zwischen Rhein und Weser Monat für Monat etwa 2.000 Arbeitsplätze. Diese Entwicklung ist Folge einer rückläufigen Produktion, die gegenüber 2018 in Nordrhein-Westfalen um 29 Prozent massiv eingebrochen ist. Ein gewaltiger Aderlass! Sorgen macht mir auch die Auftragslage, denn die Bestellungen sind in den ersten beiden Monaten 2026 um 4,7 Prozent zurückgegangen. Damit ist auch klar: Wir sprechen hier nicht von einer Momentaufnahme, sondern von einer Wirtschaftslage, die sich über einen längeren Zeitraum immer weiter verschlechtert hat.
Worauf kommt es jetzt an?
Für eine Trendwende brauchen wir dringend wieder Wachstum. Und deshalb müssen wir alles dafür tun, damit am Standort Deutschland wieder investiert wird. Das tun die Unternehmen nur, wenn sie die Überzeugung gewinnen, hier auch wieder Geld verdienen zu können. Das aber ist heute kaum noch möglich, weil es schlicht zu teuer ist, in Deutschland zu produzieren. Es hilft alles nichts: Die Unternehmen brauchen spürbare Entlastungen bei Energie, Steuern, Arbeitskosten und Bürokratie. Erst wenn dieser Kosten-Rucksack deutlich leichter wird, können wir wieder von einem wettbewerbsfähigen Industriestandort Deutschland sprechen. Auch wenn ich mich wiederhole: Ziel muss sein, dass die Unternehmen wieder vermehrt Investitionen an ihren deutschen Standorten und weniger im Ausland durchführen, wo die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen deutlich besser sind. Nur dann wird es gelingen, die Talfahrt am Standort Deutschland zu stoppen, bestenfalls umzukehren und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu halten.
Was kann ich als Beschäftigter tun?
Ich will es einmal klar sagen: Niemand gibt den Beschäftigten die Schuld für die schwerste Wirtschaftskrise dieses Landes. Wir wissen, dass wir uns auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen können. Und wir wollen alle, dass der Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig wird. Doch alle müssen sich aber auch bewusst machen: Ohne Veränderungen und zusätzliche Anstrengungen werden wir die Trendwende hierzulande nicht schaffen. Dazu gehört auch eine realistische Einschätzung der grundsätzlichen Probleme unserer Industrie. Und darüber müssen wir sprechen. Darüber, wofür Unternehmen Geld ausgeben können: Für Investitionen in Zukunft, also in innovative Produkte, Technologien, Geschäftsmodelle und Jobs? Oder für die stetig steigenden Kosten am Standort Deutschland? Darum geht es, damit unsere Industrie Zukunft hat.
