Die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektro-Industrie laufen. Wie geht es der Branche denn?
Die industrielle Substanz in NRW bröckelt nahezu überall massiv. Investitionen am Standort D sind häufig nicht mehr rentabel, viele Betriebe müssen ihre Produktion drosseln, verlagern oder gar ganz einstellen. Und das nicht erst seit gestern: Seit 2018 ist die Produktion unserer Industrie allein in NRW um 27 Prozent eingebrochen, seit 2019 haben wir rund 90.000 Arbeitsplätze verloren. Diese Entwicklung macht mir große Sorgen, deshalb müssen wir gegensteuern.
Klagen die Arbeitgeber nicht in jeder Tarifrunde?
Unsere Industrie steckt inmitten der längsten und schwersten strukturellen Krise seit Jahrzehnten. Wir haben hierzulande ein erhebliches Problem mit unserer Kosten-Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland. Die Energiekosten, die Steuern, die Sozialabgaben sind hier im internationalen Vergleich zu hoch, da muss die Politik dringend handeln. Wir als Tarifpartner haben die Aufgabe, den massiven Kostendruck bei den Arbeitskosten zu senken. Darum geht’s.
Aber es gibt doch auch Unternehmen, denen es gut geht?
Wir freuen uns über jedes Unternehmen, dem es gut geht. Allerdings: In Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Schienenfahrzeugbau, Werften und Rüstung arbeiten aber gerade einmal 5 Prozent aller M+E-Beschäftigten. Und diese Bereiche wachsen vor allem aufgrund riesiger schuldenfinanzierter Staatsausgaben. In den Kernbranchen unserer Industrie – Auto, Maschinenbau, Metallverarbeitung – können unsere Betriebe kaum noch investieren. Hier arbeiten aber zwei Drittel aller M+E-Beschäftigten.
Ist also sowieso alles zwecklos?
Keineswegs. Aber die IG Metall sollte sich schon bewusst machen, dass diese Tarifrunde eine entscheidende für die Akzeptanz des Flächentarifs in der Unternehmerschaft ist. Die Fünf-Prozent-Forderung ist völlig unrealistisch und viel zu hoch. Deshalb sind unsere Mitglieder auch so angespannt. Sie erwarten eine Lösung mit spürbaren kostenentlastenden Elementen.
Die IG Metall will jetzt ihre Stärke zeigen, so hat sie es bereits angekündigt. Wer muss sich nun bewegen?
Wir haben hier keine Tarifrunde nach dem Motto „Business as usual“. Und die Lösung wird nicht mit Trillerpfeifen und Streikaktionen erreicht. Dafür ist die Lage viel zu ernst, eine Eskalation wäre ganz sicher der falsche Weg. Wir haben ohnehin schon eine aufgeheizte Stimmung im Land. Auch deshalb haben beide Seiten da eine Riesen-Verantwortung. Der Umgang miteinander in dieser Tarifrunde kann stilbildend für die gesellschaftspolitische Debatte sein.
