NRW-Metallindustrie in schwerer struktureller Wirtschaftskrise
Kirchhoff: „Unsere Industrie verliert Monat für Monat mehr als 2.000 Arbeitsplätze“
Die nordrhein-westfälischen Metallarbeitgeber haben auf ihrer Mitgliederversammlung 2026 Arndt G. Kirchhoff (71) für weitere zwei Jahre in seinem Amt als Präsident bestätigt. Das teilte der Verband der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen (METALL NRW) am Mittwoch in Düsseldorf mit. Der mittelständische Unternehmer aus Iserlohn führt den bundes-weit mitgliederstärksten Metallarbeitgeberverband seit dem Jahr 2014.
Ebenfalls wiedergewählt als Vizepräsidenten wurden Dr. Margarete Haase (Arbeitgeberverband kölnmetall), Dr. Marcus Korthäuer (Unternehmerverband Metall Ruhr-Niederrhein), Alexander Peters (Unternehmerverband der Metall- und Elektroindustrie Aachen), Reinhard Tweer (Unternehmerverband der Metallindustrie Ostwestfalen Bielefeld-Herford-Minden) sowie Friedrich-Wilhelm Wengeler (Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie Ruhr/Vest). Als Vizepräsident neu gewählt wurde Dr. Roman Diederichs (Arbeitgeberverband Remscheid und Bergisches Land). In seinem Amt als Schatzmeister von METALL NRW bestätigt wurde Albrecht Driescher (Unterneh-merschaft der Metall- und Elektroindustrie zu Mönchenglad-bach).
Mit Blick auf die anhaltend schwierige Wirtschaftslage in der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie erklärte Präsident Kirchhoff, die kontinuierlichen Rückgänge bei Produktion, Aufträgen und Beschäftigung seien „Ausdruck einer tiefgreifenden strukturellen Wettbewerbsfähigkeitskrise des Industriestandorts Deutschland und leider auch Nordrhein-Westfalen“. Die Produktion des größten Industriezweigs zwischen Rhein und Weser sei im Vergleich zum Vorkrisennivau 2018 mittlerweile um 29 Prozent dramatisch abgestürzt. Die ersten beiden Monate des Jahres 2026 wiesen ein Minus von 3,8 Prozent gegenüber den beiden Vorjahresmonaten aus. Angesichts der weiterhin rückläufigen Auftragslage sei nach Worten des NRW-Metallarbeitgeberpräsidenten eine Trendwende nicht in Sicht. Die Bestellungen hätten im Januar und Februar insgesamt um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum nachgelassen.
„Absolut besorgniserregend ist der anhaltend massive Ader-lass bei der Beschäftigung“, sagte Kirchhoff. Im Vergleich zum Vorkrisenniveau 2018 sei die Zahl der Beschäftigten um mehr als 75.000 auf mittlerweile nur noch rund 650.000 eingebrochen. Seit nunmehr 31 Monaten in Folge gingen Jobs in der NRW-Metallindustrie verloren, allein binnen Jahresfrist mehr als 24.000. „Die schlechte Wirtschaftslage und nicht mehr wettbewerbsfähige Standortbedingungen setzen immer mehr Betriebe so unter Druck, dass sie sich vermehrt mit Standortschließungen, Produktionsverlagerungen und Stellenstreichungen beschäftigen müssen“, betonte Kirchhoff.
Deutschland sei insgesamt zu teuer, zu langsam und zu verkrustet geworden. Neben zu hohen Energiekosten und Steuern sowie einer überbordenden Bürokratie seien auch die Arbeits-kosten international nicht mehr wettbewerbsfähig. Inklusive der Lohnzusatzkosten koste hierzulande eine Arbeitsstunde in der Metall- und Elektroindustrie inzwischen 53,76 Euro, in Polen sei es nicht einmal ein Drittel davon. „Wenn der Trend zur De-Industrialisierung in der NRW-Metallindustrie gedreht oder mindestens gestoppt werden soll, muss an diesen vier Stellschrauben zeitnah gleichzeitig und kräftig gedreht werden,“ sagte Kirchhoff.
